Laudatio

Nachruf auf Edith Waclavicek (1941 -2012)

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Die 1941 in Wien geborene Volksbibliothekarin hat nach mehrjährigen Auslandsaufenthalten in Deutschland und Schweden und langjähriger Mitarbeit in der Wiener Hauptbücherei 2004 die Plattform BIBLIOTHEKSINITIATIVEN WIEN gegründet und damit eine aus dem heimischen Literaturleben nicht mehr wegzudenkende Institution geschaffen, die durch die Durchschlagskraft und Kreativität ihrer Initiatorin und Präsidentin vielen Autorinnen und Autoren zu einer wirkungsvollen Präsentation ihres Schaffens verholfen hat.

Auch der Erika Mitterer Gesellschaft war Edith Waclavicek eine engagierte und großzügige Kooperationspartnerin.

Mit den unter dem Titel Menschen und Bibliotheken publizierten Anthologien, die auch im Zaunkönig vorgestellt wurden, hat Edith Waclavicek einen wertvollen Beitrag zur Bewusstseinsbildung geleistet und den eindrucksvollen jahrzehntelangen Bemühungen der Stadt Wien um zeitgemäße Volksbildung ein würdiges Denkmal gesetzt.

Wir danken Edith Waclavicek herzlich für all das, was sie für die Literatur getan hat – und dafür, dass wir mit ihr zusammenarbeiten durften.

Nachruf auf Marie Dittrich (1926-2012)

Sie war ausgebildete Buchhalterin und hat einige Jahre im Versicherungswesen gearbeitet, bevor sie zu den Büchereien Wien wechselte.

Durch ihre „Liebe“ zu Zahlen betreute sie auch bei den Büchereien gerne und streng die Kassa.

Ihre Fachgebiete in der Literatur waren Sachbücher z.B. Kulturtechniken wie Handarbeiten u. ä.

Als Kollegin war sie immer korrekt und hat auch mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg gehalten. Ihre Arbeit war ihr immer sehr wichtig und ist Anderem vorgegangen.

Sie war maßgeblich am Erfolg der Initiative und dann des Vereins Plattform BIBLIOTHEKSINITIATIVEN WIEN beteiligt. Bei jeder Vorstandsentscheidung war ihre Meinung ein untrüglicher Gradmesser und Qualitätspunkt.

Wir danken Marie Dittrich herzlich für all das, was sie für die Literatur getan hat – und dafür, dass wir mit ihr zusammenarbeiten durften.

Nachruf auf Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Leinfellner (1938 – 2010)

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Die Mitgründerin der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft, Elisabeth Leinfellner, ist am 4. Jänner 2010 von uns gegangen. Traurig und dankbar denken wir an das Viele, das sie für uns getan hat und laden alle, die mit unserer Gesellschaft verbunden sind, ein, ihr ein ehrenvolles Andenken zu bewahren.

Der akademische Werdegang von Elisabeth Leinfellner führt sie über ihre Studienorte in Wien und München in die USA, wo sie am Doane College in Crete/Nebraska und an der University of Nebraska unterrichtet. Elisabeth Leinfellner ist Sprachwissenschaftlerin, mit klarer Ausrichtung ihrer Interessenslage auf Sprachphilosophie – Semantik und Sprachkritik – sowie Wissenschaftstheorie. In diesem Zusammenhang ist insbesondere ihre hervorragende Kenntnis des Werkes des Philosophen und Literaten Fritz Mauthner zu erwähnen. Ihre Dissertation handelt vom Schrifttum Hermann Hesses, ihre Habilitation von semantischen Netzen und Textzusammenhang. 1986 kehrt Elisabeth Leinfellner endgültig, nach zwanzig Jahren in den USA, nach Österreich zurück, wo sie am Institut für Sprachwissenschaft in Wien weiter wirkt. Gastprofessuren führen Elisabeth Leinfellner an die University of Nebraska, die University of Michigan, wo ihr die Ehre eines „Max Kade Distinguished Visiting Professors“ zuteil wird, und an die Universität Rom. Elisabeth Leinfellner hat das Honors College der University of Pennsylvania in Wien organisiert, ist tätig am Programm-Komitee der Vienna Summer University des Instituts Wiener Kreis, und ist Ehrenpräsidentin der Bibliotheksinitiativen Wien. In dieser Funktion hat sie jährlich weithin beachtete wissenschaftliche Konferenzen organisiert, zuletzt im November 2009 ein zweitägiges Symposium mit dem Generalthema „Darwin und die Folgen“. Die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit sind unglaublich vielfältig und mit einem Blick nicht zu erfassen. In einem „50-Jährigen Seminar“ hat sie, oft gemeinsam mit ihrem Gatten, Herrn Professor Werner Leinfellner, weit mehr als 200 wissenschaftliche Publikationen verfasst, welche „ihre“ Wissenschaften nachhaltig beeinflussen und den Stand der Forschung prägen. Die Bandbreite ihrer Publikationen umfasst Untersuchungen zu „Symbolen in der Politik“ und „Politikolinguistik“, geht über Habermas und Ockham bis hin zu gender-spezifischen Themen, wie man heute sagen würde: „Die redselige Frau, der schweigsame Mann und andere sprachliche Stereotypen“.

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Die Bedeutung von Elisabeth Leinfellner für die Österreichische Ludwig Wittgenstein Gesellschaft ist einzigartig und unvergleichbar. Sie hat gemeinsam mit ihrem Gatten, mit Rudolf Haller, Paul Weingartner und dem mittlerweile ebenfalls verstorbenen Ehepaar Lore und Adolf Hübner anlässlich des 25. Todestages Ludwig Wittgensteins die „Wittgenstein-Tage“ 1976 organisiert. Im Jahr darauf beginnt mit der Tagung „Wittgenstein and his Impact on Contemporary Thought“ die eigentliche Erfolgsgeschichte der Kirchberger Wittgenstein-Symposien, die das Werk Wittgensteins auch für die aktuelle systematische Philosophie in ihrer vielfältigen Ausprägung fruchtbar gemacht haben. Gemeinsam mit Werner Leinfellner, Hal Berghel und Adolf Hübner trägt Elisabeth Leinfellner nicht nur für die organisatorische, sondern auch für die wissenschaftliche Leitung der 1977-Tagung die Verantwortung. Elisabeth Leinfellner ist maßgeblich bei der wissenschaftlichen Erarbeitung des Internationalen Wittgenstein Symposiums in den 1970er bis in die 1990er beteiligt. Sie ist von 1994-1997 Präsidentin der ÖLWG, von 1997 bis 2006 Vizepräsidentin, danach Mitglied des Vorstands und des Consulting-Boards. Jahre-, ja jahrzehntelang wirkt sie als Mitherausgeberin der „Schriften der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft“. In dieser Funktion hat sie unter anderem als Co-Editorin bei der Neuherausgabe von Ludwig Wittgensteins „Wörterbuch für Volksschulen“ fungiert. Elisabeth Leinfellner hat wie kein/e andere/r das Ziel unserer Gesellschaft, „die Aufklärung des Wirkens von Wittgenstein in der Zeit seiner Tätigkeit als Volksschullehrer in Niederösterreich und Erhaltung seiner Wirkungsstätten (Otterthal und Trattenbach)“ (Satzungen der ÖLWG), unterstützt. Zahlreiche Medienartikel in der WIENER ZEITUNG, in der PRESSE, dem STANDARD, den NIEDERÖSTERREICHISCHEN NACHRICHTEN stammen aus ihrer Feder bzw., später, Tastatur. In den „Dimensionen – die Welt der Wissenschaft“ ist sie zu Gast bei Ö1, einmal (1988) sogar im tschechischen Rundfunk. Besondere Verdienste erwirbt sie sich, gemeinsam mit Sascha Windholz, bei der Betreuung der Wittgenstein-Dauerausstellungen in Kirchberg und in Trattenbach. Jahr für Jahr führt sie die Kongress-TeilnehmerInnen kompetent und in ihrer unnachahmlich liebenswürdigen Art durch diese Museen. Von großer Beachtung und Wirkung ist ihr und Sascha Windholz’ Buch „Ludwig Wittgenstein. Ein Volksschullehrer in Niederösterreich“, 2005 bei Sutton erschienen. Für all diese Verdienste wird Elisabeth Leinfellner auch öffentlich geehrt: Vor allem mit dem „Großen Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich für Wissenschaft und Kunst“.

Seitdem ich im Jahre 2000 im Vorstand der ÖLWG begonnen habe, arbeite ich mit Elisabeth Leinfellner zusammen. Mit ihrem Wissen über die Geschichte unserer Gesellschaft, aber auch durch ihre so vielfältigen Kontakte, durch ihr Know-How in allen die Gesellschaft betreffenden Belangen hat sie mir in vielen kritischen Situationen entscheidend geholfen. Besonders erwähnt seien ihre Beziehungen zur Künstlerschaft, der wir so manches hochkarätige Event bzw. so manche bildnerisch wertvolle Umrahmung unserer Symposiumswoche verdanken; aber auch ihre Mitwirkung am Aufbau des Archivs der ÖLWG. Elisabeth ist immer da gewesen für die Wittgenstein Gesellschaft. Bei ihr habe ich gespürt, dass ihr die Gesellschaft ein wichtiges, man möchte sagen ein Herzensanliegen ist. Elisabeths Hilfestellungen und ihr Einsatz sind nie vom Streben nach individuellen oder partikulären Vorteilen geprägt – ihr geht es um das Ganze. Und: Elisabeth ist nicht nur immer (das ist keine Übertreibung!) ansprechbar gewesen, sie hat auch angepackt. Sie hat nicht nur geredet, sie hat gehandelt. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum der Name Elisabeth Leinfellners, der weltweit angesehenen Wissenschaftlerin, auch in jedem Gasthausstammtisch rund um Kirchberg mit Wertschätzung und besonderer Sympathie genannt wird.

Elisabeth Leinfellner ist nicht mit allem zufrieden gewesen, was in der Gesellschaft geschehen ist. Sie war eine leidenschaftliche, mitunter scharfe Kritikerin. Das hat uns verbunden. Menschen, die alles richtig finden, gibt es genug.

Elisabeth Leinfellner hat auch in schwierigen Lebenssituationen nie ihren Mut verloren. Die Krankheit, die ihre letzten Lebensjahre geprägt hat, konnte sie niemals hindern, Zukunftsperspektiven zu entwickeln, in ihrer beständigen Lust auf Neues sehr konkrete Projekte anzugehen: Die neue Summer-School hat es ihr sehr angetan, ebenso die Idee von „Wittgenstein Lectures“ in Wien, aber auch an anderen Universitätsstandorten. Mein letzter Mailwechsel mit ihr stammt vom 21. Dezember 2009, in dem wir über eine Kunst-Ausstellung während des nächsten Symposiums diskutiert haben.

Wir werden auch diesmal – und in der Zukunft – versuchen, Deinen Elan umzusetzen. Danke für alles. Es war eine gute Zeit mit Dir Elisabeth!

Christian Kanzian, Präsident der Österreichischen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft am 29. Jänner 2010 Quelle: Österreichische Ludwig Wittgenstein Gesellschaft

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